Schule als Lernraum in einer digitalen Welt

17. Januar 2026

Wie die Digitalisierung schulische Werte und Kompetenzen infragestellt

Schulen stehen zunehmend unter Druck, den Unterricht der digitalen Zeit anzupassen. Früher fanden Kinder in den Klassenzimmern hauptsächlich eine Wandtafel, Kreiden, Stifte und noch vieles mehr. Keine Laptops. Das entsprach mehr oder weniger den Mitteln, die nach dem Schulabschluss am Arbeitsplatz zur Verfügung standen. Gebäudepläne wurden von Hand auf Papier gezeichnet und Autor*innen verwendeten Schreibmaschinen. Nun hat sich mit dem Aufkommen von Rechnern die Arbeitswelt stark verändert. Pläne werden mit Hilfe von Programmen erstellt und Texte auf Laptops geschrieben. Diese Entwicklung bringt neue Kompetenzen mit sich, wie das Programmieren, und ersetzt andere mit Geräten. Sie ruft jedoch auch kritische Stimmen hervor, die die Schulen auffordern, sich den Veränderungen anzupassen. Konkret heisst das, dass der Laptop in den Unterricht eingebaut wird und die Kinder den korrekten Umgang damit lernen. Daraus stellt sich für mich die grundlegende Frage, welche Werte und Kompetenzen die Schule vermitteln möchte.

Die Grundlage unseres heutigen Schulsystems wurde in einer Zeit gelegt, in der von digitalen Geräten im Unterricht wohl kaum die Rede war. Dementsprechend entwickelte sich die Art und Weise, wie die Kinder Lernstoff erarbeiteten. Das geschah grundsätzlich auf Papier. In vielen Schulen haben mittlerweile Laptops ihren Platz gefunden und sind kaum noch wegdenkbar. Das Schulsystem hat sich gewandelt. Der Erziehungswissenschaftler Ronald Reichenbach vertritt in einem Interview mit „Das Magazin“ die Auffassung, dass sich die Schule eigentlich konträr zur radikalen Veränderung verhalten sollte. Ich nehme an, dass damit gemeint ist, Laptops aus dem Unterricht zu verbannen und durch traditionelle Methoden zu ersetzen. Jedoch wurde früher auch im Job ähnlich gearbeitet. Deswegen müssen sich die Verantwortlichen klar darüber werden, was sie den Kindern vermitteln wollen. Den Schüler*innen wird meist erzählt, dass die Schule vor allem eines macht: Die Kinder auf das spätere Leben vorbereiten. Im späteren Leben wartet heutzutage eine «hochtechnologisierte Arbeitswelt» (Z. 6-7), was Abläufe schneller und effizienter macht. Konträr zu Ronald Reichenbach fordern Kritiker*innen, dass Kinder den Umgang mit digitalen Geräten lernen. Sie sehen dies als Teil der Vorbereitung auf das spätere Leben. Vorbereitung bedeutet jedoch nicht, Kinder möglichst früh mit digitalen Geräten auszustatten, sondern ihnen grundlegende Lern- und Arbeitsweisen zu vermitteln. Denn die Schule bereitet die Kinder nicht in erster Linie durch den Einsatz digitaler Geräte vor, sondern dadurch, dass den Kindern beigebracht wird, wie man sich Wissen aneignet und gemeinsam arbeitet. Das Ziel ist grundlegender als die Inhalte des Stundenplans. Es geht also nicht nur um Rechnen und Schreiben. Es wird eine Trainingsumgebung geboten, in der Fehler gemacht werden dürfen, in der Neues kennengelernt und ausprobiert werden kann. Dafür braucht es keinen Laptop, da diese Lernprozesse auch ohne Geräte erarbeitet werden können und unnötige Ablenkung vermieden wird. Kinder und Jugendliche sind im Alltag bereits stark von digitalen Informationen umgeben, weshalb die Schule bewusst einen anderen Lernraum bieten sollte.

Herr Reichenbach äussert sich im Interview ebenfalls kritisch, dass das Neue einen so guten Ruf habe. Das Neue, in diesem Fall digitale Geräte an Schulen, hat schon eine Daseinsberechtigung, da es Programmieren oder den Zugang zu unbegrenzten Informationen ermöglicht. Damit einher gehen neue Kompetenzen. Gleichzeitig bringt der unbegrenzte Zugang zu Informationen auch den Zugang zu radikalen, gefährlichen Inhalten oder sie lenken im Unterricht ab. Deshalb ist es wichtig, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken kennenlernen und ein Bewusstsein dafür entwickeln.

Die Digitalisierung ist Teil unseres Zeitalters. Man kann sie überall wiederfinden. Dass das bereits Thema an Schulen ist, ist eine logische Folge. In diesem Moment müssen sich die Schulen oder Lehrer*innen die Frage stellen, was genau sie den Schüler*innen vermitteln wollen, damit sie ihnen einen möglichst reibungslosen Übergang in die Berufswelt ermöglichen. Heute werden viele Fragen, ohne zu zögern, gegoogelt oder der KI gestellt. Damit geht ein wichtiger Teil des Lernprozesses verloren. Dennoch ist es wichtig, dass Schüler*innen lernen, mit den Geräten umzugehen. Mein Vorschlag wäre, dass das zu bestimmten, begrenzten Zeiten der Fall ist. Genau gleich, wie in bestimmten Zeiträumen digitale Geräte weggelegt werden. Dementsprechend wandelt sich die Schule, jedoch nicht so radikal, wie es teilweise verlangt wird. Aber damit die Digitalisierung ihren Platz an Schulen findet, und zwar so, wie es gewollt ist, und nicht unreguliert.